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(3.5.2026)
1. Wir sind fertig
Ja, wir sind fertig, und zwar im wörtlichen und sprichwörtlichen Sinn. Über die letzten Tage haben wir ALLE Stellungnahmen zur StKBBG/StKBFG-Novelle 2026 [1] gelesen. In der ausführlichen Analyse Teil 1 vom 25. April [2] könnt ihr sehen was die wichtigsten „großen Player“ sagen, in dieser kurzen Analyse Teil 2 widmen wir uns nun ausschließlich den Stimmen aus der Praxis – Einzelstellungnahmen und Stellungnahmen von gesamten Teams. Nach unserer Zählung sind es direkt oder indirekt die Stimmen von mindestens 934 eindeutig ‚nachweisbaren’ Einzelpersonen, dazu kommen 7 Stellungnahmen von Teams bei denen wir aber die Personenanzahl nicht verlässlich herausfinden konnten. Wir wissen ausserdem aus direkter Quelle von 20 weiteren Stellungnahmen von Pädagog:innen und Betreuer:innen aus Leibnitz die – die Gründe dafür sind noch unklar – leider am Weg ‚verschollen’ und nicht in der offiziellen Sammlung aufzufinden sind. Nur 8 der Stellungnahmen waren anonym.
Die Art der Stellungnahmen ist bunt gemischt. Manche sind nur wenige Zeilen oder eine Seite lang, die Mehrheit mehrere Seiten. Wenige gehen nur auf die allgemeine Situation in den Einrichtungen ein, manche auf ein oder zwei bestimmte Details im Gesetzesentwurf, die Mehrheit deckt (fast) alle unserer Meinung nach kritischen Punkte ab. Manche sind eindeutig völlig selbstständig geschrieben, manche verweisen auf oder zitieren die Stellungnahmen von ‚Elementar Steiermark’ oder uns ‚Kinder brauchen Profis’, manche verwenden Textbausteine aus anderen Stellungnahmen. Manche wirken ‚roh’ und emotional, manche förmlich und poliert – ob mit oder ohne ChatGPT & Co. Jedenfalls: Dass nur 70 bis 100 „echt“ sind, wie LR Hermann bei der letzten Landtagssitzung insinuiert hat [3], kann absolut ausgeschlossen werden.
2. Das Personal ist auch fertig
Bezeichnend fanden wir einen Satz ganz am Anfang einer bestimmten Stellungnahme. Dieser wurde offensichtlich vor dem Absenden versehentlich nicht rausgelöscht:
„Für alle die wie ich zu müde sind:“.
Und tatsächlich, es finden sich 8 weitere Stellungnahmen die ganz oder in Teilen wortgleich sind. „Müde sein“ – das ist die traurige Realität. Das Personal in unseren Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen arbeitet immer wieder an oder über seinem Limit. Kein Wunder also, wenn manche nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht mehr die Energie finden, einen eigenen Text zu schreiben. Relevant ist dass man den Inhalt versteht, dass man zu ihm steht, und dass man sich überhaupt die Mühe macht eine Stellungnahme beizutragen.
Müde waren vielleicht auch die insgesamt 19 Personen die in 13 Stellungnahmen zwar klar „den Gesetzesentwurf ablehnen“, sich im Dokument dann aber versehentlich der gemeinsamen Stellungnahme von Elementar Steiermark, IfEB und #kinderbrauchenprofis vom Mai 2023 (!) [4] „anschließen“ und diese verlinken.
3. Die Politik sollte endlich anfangen …
… echte Lösungen zu liefern. Denn was die Stellungnahmen großteils gemeinsam haben: sie geben einen tiefen Einblick in den Alltag des Personals und der Kinder. Sie prangern nicht nur die qualitativen Verschlechterungen die der Gesetzesentwurf bringen wird an, sondern den grundlegenden Zustand des jetzigen Systems und das Fehlen jeglicher Verbesserungsperspektive.
Wir haben einige stellvertretende und/oder besonders prägnante Zitate ausgewählt und thematisch sortiert. Und wir können den verantwortlichen Politiker:innen nur dringendst raten sie zu lesen und ernst zu nehmen.
3.1 Allgemeines
„Diese Novelle ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die täglich in den Einrichtungen ihr Bestes geben und ein Verrat an den Bedürfnissen unserer Kinder! (…) Wer die Elementarpädagogik derart entwertet, nimmt den Kollaps des gesamten Systems in Kauf.“ (Alexandra R.)
„Besonders alarmierend ist, dass der Gesetzesentwurf den bestehenden Personalmangel nicht bekämpft, sondern zur Grundlage neuer Regelungen macht. Anstatt bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, wird das System an den Mangel angepasst: (…) Der Fachkräftemangel wird nicht behoben, sondern zementiert.“ (Teams der Krippen/Kindergarten Wagna, Krippe/Kindergarten Papageno)
„Nachdem angenommen werden kann, dass alle pädagogischen Argumente, die gegen eine erneute geplante Gesetzesänderung sprechen, Ihnen allen sehr wohl bekannt sind, werden wir unsere Stellungnahme kurzfassen. Wir hätten nur zwei Anliegen, betreffend zwei Namensänderungen, die Sie bitte berücksichtigen und vielleicht noch in Ihre geplante Gesetzesänderung einbringen könnten. Wir bitten Sie erstens die Bezeichnung „Bildungs- und Betreuungseinrichtung“ zu verkürzen und stattdessen nur mehr den Begriff „Betreuungseinrichtung“ zu verwenden. Des Weiteren entspricht der Name des „Bundesbildungsrahmenplan“ dann auch nicht mehr der Realität. Also bitte auch hier eine Namensänderung vornehmen in „steiermärkischen Betreuungsrahmenplan“ (natürlich in überarbeiteter Form).“ (Silvia C.)
„Viele Worte braucht es dafür nicht: wenn man die Rahmenbedingungen und die damit einhergehenden personellen Konsequenzen (noch mehr Menschen die diesen Beruf eigentlich mit Liebe und Hingabe machen, aber einfach keine Kraft mehr dafür haben und deswegen den Job wechseln) verschlechtern möchte, dann setzt man dieses Gesetz durch! Einfach traurig!“ (Lisa J.)
„Aus meiner Perspektive als dreifache berufstätige Mutter, die auch als Elementarpädagogin tätig war, als Reformpädagogin mit dem Wissen, was eine qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten vermag und jetzt als Psychotherapeutin mit dem Blick auf krankhafte Entwicklungen, wenn frühkindliche Bedürfnisse (aus verschiedensten Gründen) nicht ausreichend erfüllt werden, appelliere ich hoffnungsvoll an Sie als Entscheidungstragende! Bitte überarbeiten Sie den neuen Gesetzesentwurf im Bewusstsein der hohen Verantwortung, die Sie in Händen halten. Es geht um entscheidende Schritte in die Zukunft.“ (Julia L.)
„Die Politik fordert Professionalität, Empathie und höchste pädagogische Standards, verweigert aber die dafür notwendigen Ressourcen. Dauerstress als Dauerzustand (…)“ (Anna S. & Team)
„Haben sich die zuständigen Personen, die für diesen Gesetzesentwurf verantwortlich sind, auch nur in irgendeiner Art und Weise Gedanken darüber gemacht, welche verheerenden Auswirkungen diese auf den pädagogischen Alltag in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen mit sich bringen? Haben Sie sich schon einmal mit dem Berufsbild „pädagogisches Fachpersonal“ und dem alltäglichen Bildungsalltag auseinandergesetzt und waren persönlich stundenlang vor Ort in Einrichtungen um sich ein Bild der Realität zu verschaffen? Ich glaube nicht, denn sonst würde der Inhalt dieser Novelle ganz anders aussehen.“ (Bettina T.)
„Diese Novelle bedient die Interessen der Erhalter, des Landes und der Eltern. Leidtragende sind das Personal, das bis zur Erschöpfung arbeitet und vor allem unsere Kinder – die unsere Zukunft sind. Man mag sich politisch zu diesem Entwurf gratulieren – doch diese Novelle wird teuer erkauft: Er geht auf Kosten der Jüngsten und damit auf Kosten unserer gesamten gesellschaftlichen Zukunft.“ (Ida H.)
„Ein weiteres Argument gegen den Gesetzesentwurf ist die Gefahr einer schleichenden Normalisierung von Notlösungen. Regelungen, die ursprünglich als temporäre Ausnahmen gedacht sind, könnten langfristig zum Standard werden. Wenn beispielsweise geringere Qualifikationsanforderungen oder höhere Gruppengrößen einmal etabliert sind, besteht die Gefahr, dass diese auch in Zukunft beibehalten werden, selbst wenn sich die Personalsituation verbessert. Dies würde langfristig zu einer generellen Absenkung des Niveaus in der Kinderbetreuung führen.“ (Carmen K.)
3.2 Einladungen an Politiker:innen
„Ich lade Sie daher ausdrücklich ein: Kommen Sie zu uns. Verbringen Sie einen Tag in unserer Einrichtung. Sehen Sie sich an, unter welchen Bedingungen wir arbeiten – und entscheiden Sie dann, ob das wirklich Ihren Vorstellungen von verantwortungsvoller Bildung entspricht oder ob Sie ihr eigenes Kind hier betreuen lassen möchten.“ (Julia Ku.)
„Ich lade Landeshaupmann-Stellvertreterin Manuela Khom und Landesrat Stefan Herman gerne einmal in einen Kindergarten ein und bin gespannt wie diese zwei das mit ihrem Gesetzesentwurf meistern möchten.“ (Martina J.)
„Ich bitte die Verfasser der Novelle verschiedene Einrichtungen zu besuchen und mindestens 10 Stunden zu bleiben. Sollten Sie dann immer noch der Meinung sind, dass man Gruppengrößen überschreiten, Turnsäle und Gärten verkleinern, Arbeitsbedingungen verschlechtern, Ferien kürzen und Ausbildungen streichen kann, habe ich wohl offensichtlich den falschen Beruf gewählt. Oder aber Sie überarbeiten Ihren Entwurf zum Wohle unserer und vielleicht auch Ihrer Kinder und Enkelkinder!“ (Petra K.)
3.3 Erleichterung der Überschreitung von Gruppengrößen
„In unserer Gruppe betreuen wir 27 Kinder – in einem Raum, der dafür schlicht nicht ausgelegt ist. Seit drei Jahren werden wir hingehalten mit dem Versprechen, diese Regelung sei nur vorübergehend und wir würden wieder auf 22 Kinder pro Gruppe reduzieren. Und jetzt das? Dieser Entwurf ist nichts als eine bittere Enttäuschung.“ (Julia Ku.)
„Ich möchte mich hiermit klar und deutlich gegen eine Erhöhung der Kinderzahl in den Einrichtungen aussprechen. „Nachweislich“ kein zusätzlicher Kindertreuer/keine Kinderbetreuerin heißt in der Praxis oft: „wir wollen sowieso keinen/keine finden, weil es uns so günstiger kommt“! (Elfi B.)
„In der Praxis besteht die Gefahr, dass Leitungen unter organisatorischem Druck mittels Dienstanweisungen gezwungen werden, pädagogisch und räumlich nicht vertretbare Gruppengrößen zu akzeptieren. Dies widerspricht dem Prinzip der fachlich begründeten pädagogischen Verantwortung.“ (Julia G.)
3.4 Erleichterung des Zusammenlegens von Gruppen
„Die Möglichkeit, Gruppen bei geringem Bedarf zusammenzulegen (§ 15), ist fachlich nicht zu rechtfertigen. (…) Das ist keine Entlastung – das ist organisierte Überforderung.“ (Sarah B.)
„Kinder sind keine Sessel, die man ständig in irgendwelchen Sammelgruppen abstellt. Ein häufiger Wechsel der Bezugspersonen und eine fehlende Kontinuität schadet Kindern dieser Altersgruppe in ihrer emotionalen Entwicklung. Wir sind eine Bildungseinrichtung, die Beziehungsqualität braucht. Wir sind keine stundenweise Betreuung von Kindern, die kreuz und quer zusammengewürfelt werden.“ (Team Krippe/Kindergarten Gralla)
3.5 Reduktion von Bewegungsräumen und Freispielflächengrößen
„Räumliche Standards sind keine bürokratische Schikane, sondern die Grundvoraussetzung für gelingende Bildung.“ (Anja F.)
„Besonders irritierend erscheint mir die Tatsache, dass einem Bio-Huhn gesetzlich vergleichbare Platzverhältnisse zugestanden werden wie einem bewegungsfreudigen Kleinkind. Diese Relation verdeutlicht auf erschreckende Weise die derzeitige Prioritätensetzung.“ (Daniela M.)
„Wie sieht es mit Toiletten, Umziehmöglichkeiten etc. aus, wenn die Freispielfläche in einem Nahbereich ausgelagert werden darf? Zusätzliche Herausforderungen für das Personal, organisatorisch als auch pädagogisch! Für uns nicht möglich, ohne Aufsichtspflichtverletzung.“ (Katja H.)
„Architektur für Kinder darf nicht dem Diktat der Immobilienverfügbarkeit unterworfen werden.“ (Team Kindergarten Laßnitzthal Blaue Gruppe)
„In meiner eigenen Einrichtung mit vier Kindergartengruppen haben sich zwei Bewegungsräume als unerlässlich erwiesen, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.“ (Jessica Z.)
3.6 Inklusion
„Besonders erschütternd ist für mich als inklusive Elementarpädagogin im heilpädagogischen Bereich die vorgesehene Möglichkeit, auch in heilpädagogischen Einrichtungen Kinder über der Höchstzahl zu führen. Ich arbeite in einer kooperativen Stammgruppe mit schwer- und mehrfachbehinderten Kindern. In diesem Bereich braucht es jede einzelne Hand. Unsere Kinder sind auf intensive Unterstützung angewiesen. Wir sprechen von Kindern mit hohem Pflegebedarf, von Kindern mit massiven Reizoffenheiten, von autoaggressivem oder fremdaggressivem Verhalten, von Fluchttendenzen, von motorischer Unruhe, von schwerer Mehrfachbehinderung, von hochgradigem Autismus, von basalem Unterstützungsbedarf und von Situationen, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Struktur und personeller Präsenz erfordern. Ein zusätzliches Kind bedeutet in einem solchen Setting nicht einfach nur „ein Kind mehr“, sondern mehr Reize, mehr Lautstärke, mehr Bewegung, mehr Dynamik und ein höheres Risiko für Überforderung – für die Kinder ebenso wie für das Personal.“ (Emilie S.)
3.7 Kinderschutz
„Die vorgesehenen Änderungen schwächen letztlich auch den Kinderschutz. Überforderte Fachkräte und überfüllte Gruppen erhöhen die Gefahr, dass emotionale oder physische Belastungssituationen unbemerkt bleiben.“ (Lisa G. Tanja H.)
„Der Bildungslandesrat sprach bei der Kinderschutz-Fachtagung am 13.04.2026 davon, dass „Kinderschutz mit Haltung beginnt“ und nicht nur Gesetze, sondern gelebte Verantwortung im Alltag den Unterschied ausmachen. Für ihn gelte: „Kinderschutz ist keine Option – sondern unsere Pflicht!“ Genau diese Pflicht fordern wir auch ein und diese soll von der Landesregierung durch klare Gesetze und qualitätsvolle Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ (Team Krippe/Kindergarten Gralla)
3.8 Ganzjährige Öffnungszeiten
„Jeder Erwachsene, der im Berufsleben steht, hat ein Recht auf 5 Wochen Urlaub im Jahr, jedes Schulkind hat ein Recht auf gesetzlich geregelte Ferien. Doch je jünger die Kinder sind, desto weniger Rechte auf Erholung werden ihnen zugesprochen. So hätten Krippenkinder und Kindergartenkinder keinen rechtlichen Anspruch auf gesetzlich festgelegte Ferien mehr. Ich würde es in Bezug auf Kinderschutz und Kinderrechte sehr empfehlen und als wichtig empfinden, wenn im Gesetz ein geregelter Anspruch auf 5 Wochen Urlaub (Ferien, Erholung) für jedes Kind von 0 – 6 Jahren verankert wäre.“ (Sabine D.)
„Die pädagogische Arbeit ist eine Hochleistungsaufgabe. Kollektive Schließzeiten (Weihnachten, Ostern, Sommer) sind notwendige Regenerationsphasen. Gefahr durch Ganzjahresbetrieb: Fällt die kollektive Pause weg, muss der Urlaub individuell während des laufenden Betriebs konsumiert werden. Dies führt zu ständigem Personalmangel in den Gruppen, belastenden Journaldiensten mit fremden Kindern und einer dauerhaften Stressbelastung. In Zeiten des massiven Fachkräftemangels ist dieser Druck auf das Bestandspersonal unverantwortlich.“ (Team Krippe/Kindergarten Bad Waltersdorf)
3.9 Elementarpädagogik früher… und heute
„Früher war eine Elementarpädagogin erstrangig dazu da, die Kinder zu begleiten und sie zu beaufsichtigen. Heutzutage sind Elementarpädagoginnen/Elementarpädagogen weit mehr als „nur“ pädagogisches Fachpersonal: sie haben nicht nur eine familienergänzende Rolle (sollen den Kindern wesentliche Werte vermitteln, was Eltern heutzutage oftmals gar nicht mehr schaffen) sondern auch einen Bildungsauftrag (sollen die Kinder auf die Schule vorbereiten und ihnen ein erstes Grundwissen mitgeben). Des Weiteren sind Elementarpädagogen heutzutage Sekretäre (bei dem Maß an Bürokratie die heutzutage verrichtet werden muss), 1:1 Betreuer (mittlerweile kommen in jeder Gruppe stark verhaltensauffällige oder beeinträchtigte Kinder vor), Psychologen (es gibt immer mehr Diagnosen/Störungen bei Kindern), Logopäden (sehr viele Kinder sind auffällig in der Sprache), Ergotherapeuten (sie sind auch zuständig für motorisch eingeschränkte Kinder und sollen diese best möglichst fördern). Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: 1 Pädagogin und 1 Betreuerin sind im Idealfall (ohne Überschreitung) zuständig für 22 Kinder. Davon ist ein Kind an Diabetes erkrankt, 2 weitere sind stark verhaltensauffällig/verhaltensgestört und würden eine 1:1 Betreuung brauchen, 2 sprachlich stark entwicklungsverzögernd und 1 Kind hat motorische Beeinträchtigungen. Wie sollen 1 Pädagogin und 1 Betreuerin bitte diesen vielen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden? Ganz zu schweigen dass wir dafür nicht ausgebildet sind – wir sind Elementarpädagogen und keine Psychologen und Therapeuten.“ (Kerstin R.)
„Ich arbeite seit 2001 als Elementarpädagogin im Kindergarten und seit 2019 obliegt mir die Leitung eines dreigruppigen Hauses. In meiner Zeit als Pädagogin hat sich vieles verändert. Die Herausforderungen sind immens gestiegen, die Kinder kommen immer früher und länger in die Einrichtung. Unsere Arbeit entwickelt sich immer mehr weg vom Bildungsauftrag, hin zum Erziehungsauftrag. Grundlegende Dinge wie selbstständiges Essen, Toilettengang und vieles mehr sind keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern müssen von uns in den Einrichtungen mit den Kindern erlernt werden. Auch die Ansprüche der Eltern an uns werden immer höher. Der jetzige Personalschlüssel ist schon sehr knapp bemessen und im Falle von Krankenständen stehen wir jedes Mal vor der Herausforderung eine geeignete Vertretung zu finden um den Personalschlüssel aufrecht erhalten zu können. (Ich kenne auch keine andere Berufsgruppe, in der Laien die Arbeit übernehmen dürfen). Wir bewegen uns schon seit langem am Limit unserer Kräfte und Ressourcen. Der neue Entwurf beschneidet unsere Arbeit weiter in ihrer Professionalität und Attraktivität. Die vorgeschlagenen Änderungen sind für uns als Fachkräfte in dieser Form nicht tragbar und wird langjährige, gute Fachkräfte noch mehr ins Burn Out treiben und für junge Kolleginnen den Beruf absolut unattraktiv machen.“ (Tina K.)
3.10 Protestmaßnahmen
„Eines kann ich mit Gewissheit sagen – mit KEINER ANDEREN BERUFSGRUPPE könnte man so umgehen, denn es hält sich leider aufgrund mangelnder politischer und gewerkschaftlicher Vertretung hartnäckig der Glaube daran, dass das pädagogische Fachpersonal hauptsächlich aus sozialer Motivation heraus handelt und wir alle nur „wegen unserer lieben Kinder“ arbeiten.“ (Julia Ka.)
„Wir sind schon auf die Straßen gegangen um unsere Forderungen an die Öffentlichkeit zu transportieren. Solidarisch wie unsere Berufsgruppe agiert, an einem Samstag. Vielleicht wäre ein Streik des Kinderbetreuungspersonals an einem Montag wirkungsvoller. Denn wie man schon während der Corona-Pandemie gesehen hat, Kinderbetreuungseinrichtungen gehören zu den systemerhaltenden Strukturen unseres Landes. Diese Strukturen sollten gestärkt und verbessert werden und nicht beschnitten und Reformen wieder rückgängig gemacht werden.“ (Sonja D.)
„Und wir sehen auch von Streiks nicht ab! Irgendwann ist genug und diese Verschlechterungsmaßnahmen müssen endlich ein Ende haben – zum Wohle aller Kinder, aber auch zum Wohle des gesamten Personals!“ (Verena S.)
„Ich bin dafür, dass gestreikt wird – und zwar so, dass es wirklich Aufsehen erregt. Ein Streik, der spürbar ist. Einer, bei den Eltern nicht zur Arbeit gehen können, weil die Betreuung ihrer Kinder schlichtweg nicht sichergestellt ist. Erst wenn das System sichtbar stillsteht, wird der Aufschrei groß genug sein, um endlich gehört zu werden.“ (Anonyme Stellungnahme)
3.11 Kündigungsüberlegungen
„In letzter Zeit zweifle ich oft ob es gut für mich ist, dieser unglaublich fordernden Arbeit noch lange nachzugehen. Das einzige was mich davon abhält zu kündigen ist mein hervorragendes Team, das leider aus immer mehr Teilzeitkräften besteht. (…) Oft denke ich mir, ich gebe auf, ich kündige. Diese geplante Novelle bestätigt nicht nur mich, sondern viele meiner Kolleginnen darin, dass es besser sein wird einen neuen Weg einzuschlagen.“ (S. W.)
„Und auch ich persönlich mache mir schon so meine Gedanken, ob das dann der richtige Beruf für mich ist?! Denn ich bin seit 16 Jahren mit Herz und Seele Betreuerin und ich liebe es den Kindern ein Stück von mir mit auf ihren Weg zu geben, aber wenn die Bedingungen sich dahin gehend verschlechtern sollten, weiß ich nicht, ob es noch das ist was ich physisch und psychisch kann- und will…“ (N. W.)
„Somit: Und ich spreche hiermit auch vielen Kolleginnen aus dem Herzen: ICH möchte bis zu meiner Pension in meinem Beruf ARBEITEN! Aber DAS werde ich mit Ihrem neunen Gesetzesentwurf leider NICHT schaffen! Es tut mir leid, das ist unmöglich! Das schafft mein Körper nicht, das schafft mein Geist nicht, denn unseren Beruf führen wir mit Liebe und der Überzeugung aus, dass wir DAS BESTE für unsere Kinder, unsere Zukunft tun. Und das tue ich nicht, wenn ich unter den neuen Bedingungen arbeiten muss.“ (E. T.)
„Unser Team besteht aus 10 Pädagoginnen und 14 Betreuerinnen und nach Bekanntwerden der geplanten Novelle versicherten mir drei junge Kolleginnen den Beruf zu verlassen und ein Studium beginnen zu wollen, sollte die Novelle in dieser Form umgesetzt werden.“ (W. S.)
„Wir Elementarpädagoginnen sind der Spielball der Regierung, damit die Regierenden der Bevölkerung zeigen kann „Wir tun ja was!“ Allerdings wird dieser Schuss nach hinten losgehen. Ich bin nicht die Einzige, sie sich bereits nach einem anderen Bildungsweg erkundigt hat. Irgendwann reichts!“ (H. S.)
„Ich bin nun seit 14 Jahren als Elementarpädagogin tätig und bin nun tatsächlich am überlegen ob ich für mich nicht gleich die Reißleine ziehe. Es verärgert mich so sehr, dass immer wieder, auf den Rücken der Kinder und des Personals, neue Verordnungen und Gesetze erteilt werden, die immer wieder einen Rückschritt bedeuten!“ (V. S.)
„Abschließend muss ich hinzufügen, dass ich mit ganzem Herzen und Einsatz Elementarpädagogin bin. Ich lebe für diesen Beruf, muss jedoch ehrlich gestehen, dass wenn es so weiter geht und sich die Gesetzesänderung durchsetzt und somit der Allgemeinszustand sich noch weiter verschlechtert, ich meine Berufswahl doch noch einmal überdenken werde. Mit diesem Vorhaben, kann ich in diesem Beruf so nicht „gesund“ alt werden. Ich möchte meinen Beruf auch weiterhin mit tiefster Überzeugung gut ausführen, doch so ist das nicht mehr möglich…“ (C. S.)
„Sollte es aber zu weiteren Verschlechterungen kommen und dazu zählen alle Änderungen im neuen Gesetzesentwurf, hindert mich persönlich und auch viele meiner Kolleginnen nichts mehr daran, diesem Beruf den Rücken zu kehren.“ (D. R.)
„Nach den sehr ernüchternden Erfahrungen der letzten Jahre hängt meine weitere Tätigkeit im elementaren Bildungsbereich am seidenen Faden und der aktuelle Gesetzesentwurf gibt mir noch weniger Grund dranzubleiben um dem Wertvollsten, das unsere Gesellschaft beherbergt – nämlich unseren Kindern – meine Energie und Expertise zu schenken.“ (E. H.)
„Es ist nicht zu glauben dass solch schlimme Rückschritte kommen sollen. Da muss ich mir echt überlegen nicht meinen Job an den Nagel zu hängen. Ich bin 34 Jahre Pädagogin und habe schon viel erlebt.“ (I. D.)
[1] Siehe die Links „Stellungnahmen Teil 1“ und „Teil 2“ im Bereich „Beilagen“ unter https://pallast2.stmk.gv.at/pallast-p/pub/document?dswid=446&ref=41497f29-6621-46c1-a75c-43ca65dfcc56
[2] https://kinderbrauchenprofis.at/stellungnahmen-april2026-analyse-teil-1/
[3] https://kinderbrauchenprofis.at/bildungslandesrat-zu-qualitaet-und-gesetzesstellungnahmen/
[4] https://kinderbrauchenprofis.at/wp-content/uploads/2023/05/kbp_stbep_ifeb__stellungnahme_08052023.pdf
