1. Ein einheitliches, wissenschaftlich fundiertes Bundesrahmengesetz mit einer gesamtverantwortlichen elementarpädagogischen Bildungsdirektion (Details >)

2. Die Verbesserung des Personal-Kind-Schlüssels (Details >)

3. Eine finanzielle Attraktivierung für alle Beschäftigten (Details >)

4. Eine bundesweit einheitliche, hochqualitative Ausbildung für die Assistenzkräfte (Details >)


(Zweite, aktualisierte Version – 18.1.2021)

Zur Einleitung: eine Bestandsaufnahme

In Österreich werden 371.570 Kinder in 9.414 Bildungs- und Betreuungseinrichtungen von 61.589 Elementarpädagog/innen und Assistenzkräften (1) begleitet und betreut. Wir werden für diese Kinder, für das Personal und in weiterer Folge auch für und gemeinsam mit den Eltern für bessere Rahmenbedingungen kämpfen.

Denn seit Jahren sind hierzulande die wachsenden Probleme im Bereich der Elementarpädagogik bekannt. Sie sind inzwischen so eklatant, dass u.a. zwar mehr als genügend ausgebildete Elementarpädagog/innen vorhanden sind, es aber einen immer dramatischer werdenden Personalmangel gibt. Grund dafür ist, dass viele von ihnen wegen der schlechten Bedingungen nicht mehr in dem Beruf arbeiten wollen (siehe dazu u.a. unsere „Alltagsgeschichten“-Sammlung oder die Artikel in unserer Presse-Sektion). Die Antwort der Politik bis jetzt: noch größere Gruppen, noch mehr Aufgaben für immer weniger Fachkräfte, noch weniger Qualifikation für das Personal. #kinderbrauchenprofis wurde im Oktober 2020 genau deswegen ins Leben gerufen, als das Gesetz über die fachlichen Anstellungserfordernisse von steirischen Kindergartenpädagog/innen das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hat.

Seit Jahren wachsen die Probleme, und bereits seit Jahrzehnten werden, wissenschaftlich fundiert und unbestritten, klar definierte Verbesserungen der Rahmenbedingungen in der Elementarpädagogik gefordert. (Als exemplarisches Beispiel weisen wir hier auf diesen Text aus dem Jahr 1991 (!) aus dem Buch Kinder gehen uns alle an der ‚Berufsgruppe Steirische Kindergärtnerinnen‘ hin).

Seit 2009 gibt es den ‚Bundesländerübergreifenden BildungsRahmenPlan für elementare Bildungseinrichtungen‘. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, mit zwei großen Problemen: er hat keine rechtliche Verbindlichkeit, * und die darin angedachten Konzepte und Standards sind mit den aktuellen Ausstattungs- und vor allem Personalressourcen großteils schlicht und einfach nicht bewältigbar.

2013 präsentierten im Rahmen der Plattform EduCare Vertreter/innen von Institutionen, Interessengemeinschaften und Trägerorganisationen sowie Expert/innen aus dem elementaren Bildungsbereich einen Entwurf eines Bundesrahmengesetzes für elementarpädagogische Bildungseinrichtungen. Wenig später überreichten AK Wien, GdG-KMSfB, GPA-djp und vida im Rahmen einer von Tausenden unterschriebenen Bürger/inneninitiative dem Nationalrat Analysen und Forderungen zur Verbesserung der Qualität in der Kinderbetreuung. (2) Hat sich seitdem etwas getan, hat sich österreichweit etwas fundamental gebessert? Nein. Im Gegenteil. Es gab in einigen Bundesländern sogar Verschlechterungen. **

Wir schreiben das Jahr 2021.

Es reicht.

Wir von #kinderbrauchenprofis sind uns respektvoll bewusst, dass wir die Erkenntnisse und Arbeit vieler jahrelang engagierter Menschen nutzen und nun bündeln wollen. Durch das Internet im Allgemeinen und Social Media im Speziellen schaffen wir es, schneller und gezielter alle Betroffenen und Interessierten zu erreichen. Und spätestens die Covid-19 Pandemie hat allen drastisch vor Augen geführt, dass wir, die in der Elementarpädagogik tätigen Personen, systemrelevant sind. Es braucht daher so rasch wie möglich einen nationalen, rechtlich verbindlichen Plan zur Verbesserung der Rahmenbedingungen. Unser ultimatives Ziel ist, sollte es sich nicht anders lösen lassen, erstmalig ein bundesweiter Streik.

Auch wenn die eklatantesten Beispiele hauptsächlich aus dem Bereich der Kindergärten kommen: unsere Forderungen gelten für alle Bereiche der Elementarpädagogik – also sämtliche Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen, Kindergärten, altersgemischte Betreuungseinrichtungen,  Kindertagesheime, Kinderhäuser, Horte, sonderpädagogische Einrichtungen, etc. Auch die Situation von Tagesmüttern und -vätern muss analog verbessert werden.

Forderung 1:
Ein einheitliches, wissenschaftlich fundiertes Bundesrahmengesetz mit einer gesamtverantwortlichen elementarpädagogischen Bildungsdirektion

„Elementarpädagogische Einrichtungen – wie beispielsweise Kindergärten – stellen die ersten Bildungsinstitutionen im Leben eines Kindes dar. Durch die Bildung und Betreuung in elementarpädagogischen Einrichtungen wird der Grundstein für den Erfolg in der weiteren Bildungs- und Berufslaufbahn gelegt.“ (3) heißt es vollmundig seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Doch anders als für Schulen, Universitäten, Fachhochschulen usw. hat der Bund keine einheitliche Vollmacht für den Bereich der Elementarpädagogik. „Ein grundsätzliches Problem besteht darin, dass in Österreich Kinderbetreuung und Elementarbildung Ländersache ist.“ (2) Salopp formuliert: nicht jedes Kind ist in Österreich gleich viel wert. Der Steuerrat der renommierten Bildungsplattform EduCare fällte schon 2015 in einem offenen Brief ein vernichtendes Urteil: „Derzeit ist der Kindergarten ‚Betreuungseinrichtung mit trägerspezifisch definierten pädagogischen Ambitionen‘(4). In Kinderkrippen, Horten etc. sieht es nicht anders aus.

Dabei machen es uns viele Länder bereits vor: „internationale Organisationen (OECD, ECNC, UNICEF und ILO) empfehlen dringend, zentrale pädagogische Mindeststandards national zu regeln (…). Das gilt etwa für Gruppengröße, Betreuungsschlüssel, Personalqualifikation, Räumlichkeiten, Arbeitsbedingungen und Bildungsrahmenplan.“ (2)

Einen schnellen Überblick bzgl. der wichtigsten Unterschiede zwischen den Bundesländern bietet diese lesenswerte Tabelle (PDF, 1 Seite) aus dem Nationalen Bildungsbericht 2018 (5). In manchen Bundesländern sind die Rahmenbedingungen besser als in anderen, wir möchten hier aber ausdrücklich betonen, dass alle unsere Forderungen, und das wissenschaftlich fundiert, eine Verschlechterung in irgendeinem Bundesland (zugunsten von Verbesserungen in anderen) ausschließt.

Forderung 1, also das Bundesrahmengesetz, ist langfristig die unabdingbare Grundlage für alle weiteren hier gelisteten. (Was nicht bedeutet dass wir Verbesserungen in einzelnen Bundesländern, sollten sie schon schneller vorab umsetzbar sein, nicht begrüßen).

Forderung 2:
Die Verbesserung des Personal-Kind-Schlüssels

Forderung 2 widmet sich dem im Arbeitsalltag als am gravierendsten wahrgenommenen Problem (noch vor dem finanziellen Aspekt!). Wie in der bereits erwähnten Tabelle ersichtlich, ist der Personal-Kind-Schlüssel aktuell je nach Bundesland unterschiedlich, in keinem von ihnen ist er jedoch auch nur annähernd ausreichend.

Die Berechnung von Personal-Kind-Schlüsseln ist grundsätzlich komplex. Wir beziehen uns in den folgenden Forderungen allerdings bewusst auf die „Gruppe“ als Grundelement, im vollen Bewusstsein dass z.B. Krippen, Kindergärten und Horte berechtigterweise unterschiedliche Gruppengrößen haben, da die Bedürfnisse je nach Alter der Kinder variieren. Berechnungsdetails (tatsächliche Anwesenheit des zugeteilten Personals basierend auf tatsächlichen Anwesenheitszahlen der Kinder z.B. je nach Tageszeit, Unterschieden zwischen Halbtags- und Ganztagsgruppen etc) werden noch folgen, unsere Forderungen garantieren jedoch eine grundsätzliche Verbesserung des Personal-Kind-Schlüssels.

Gefordertes Personal pro Gruppe:

  • Kurz- bis mittelfristig: 2 Fachkräfte und 1 Assistenzkraft pro Gruppe (wobei sämtliche Assistenzkräfte auf Vollzeit aufgestockt werden müssen, dies ist aktuell nicht in allen Bundesländern der Fall!)
  • Langfristig: 3 Fachkräfte und 1 Assistenzkraft pro Gruppe, oder 2 Fachkräfte und 2 Assistenzkräfte pro Gruppe (ebenfalls alle in Vollzeit)
  • Sowie eine sofortige (!) Abschaffung der Überschreitungsmöglichkeiten der Kinderhöchstzahlen gemäß § 14 Abs. 7 Steiermärkisches Kinderbildungs- und betreuungsgesetz

Im Nationalen Bildungsbericht 2018 heißt es unter anderem: „Ein besserer Personal-Kind-Schlüssel wirkt sich vorteilhaft auf die kognitive und sprachliche Entwicklung (…) und das Wohlbefinden von Kindern in der Einrichtung aus (…). Dabei sind Interaktionen zwischen elementarpädagogischem Personal sowie Kindern in Kleingruppen von drei bis fünf Kindern wie auch in Eins-zu-eins-Situationen besonders wertvoll, da intensivere Gespräche möglich sind (…) und auch die unterstützende Präsenz erhöht ist. Je jünger die Kinder sind, umso stärker wirkt sich der Personal-Kind-Schlüssel auf die Qualität der Interaktion aus (…).“ (5) Das österreichische Institut für Familienforschung der Universität Wien hält fest: „Für unter 3-Jährige wird ein Betreuungsschlüssel (…) von 1:3 bis 1:3,5 als optimal bewertet (…). Für 3- bis unter 6-Jährige erhöht sich dieses Zahlenverhältnis (…) auf 1:8. (…) [Weiters] werden zwei Fachkräfte je Gruppe als optimal eingestuft. Setzt man diese Zahlen in Relation zu den (…) optimalen Gruppengrößen, kommt man für Halbtagskinder auf einen Schlüssel von 1:10 bis 1:12,5 und für Ganztagskinder von 1:7,5.“ (6)

1:1-Situationen, Kleingruppen von 3-5 Kindern, maximal 10 bis 12 Drei- bis Sechsjährige pro Pädagog/in? Das ist weit von der Realität entfernt. In österreichischen Kinderkrippen ist ein/e Pädagog/in für bis zu 15 Kinder, in Kindergärten für bis zu 25 Kinder verantwortlich! ***

Aber nackte Zahlen, so eindeutig sie auch bereits das offensichtliche Unverhältnis zeigen, genügen nicht, um das grundlegende Problem zu illustrieren. In unseren Alltagsgeschichten haben wir konkrete Berichte aus der Praxis gesammelt; ein beispielhaftes Szenario wie Folgendes ist nach unserer Erfahrung im Kindergarten nicht ungewöhnlich:

Die Pädagogin versucht zur Sprachförderung mit einer kleinen Gruppe in Ruhe ein Buch zu lesen, als aus einem anderen Bereich des Gruppenraums laute Stimmen ertönen – es ist unter einigen anderen Kindern ein Streit ausgebrochen. Das Vorlesen muss sofort unterbrochen werden, die Pädagogin will sich an die Schlichtung machen, wird aber von einem Kind angesprochen, das dringend aufs Klo muss und dabei Hilfe braucht. Gleichzeitig erscheint eine besorgte Mutter an der Tür um etwas Dringendes zu besprechen, und das Telefon klingelt – eine Vorgesetzte ist dran, in einem Formular für die (seit Jahren ständig zunehmende) Bürokratie fehlt noch eine Zahl.

Oder aus einer gesamtheitlichen Perspektive: „Große Gruppen, geringe Betreuungsschlüssel und hohe Arbeitsbelastung sind nicht nur potentielle Stressfaktoren, Studien zeigen auch, dass Betreuungspersonen mit hoher Arbeitsbelastung ihre Aufgaben weniger gut erfüllen können. Zudem bilden gute Arbeitsbedingungen die Voraussetzung, um qualifizierte Fachkräfte als MitarbeiterInnen zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Nur so kann eine hohe Betreuungs- und Bildungsqualität sichergestellt werden.“ (2)

Forderung 3:
Eine finanzielle Attraktivierung für alle Beschäftigten

Konkret:

  • generelle Gehaltserhöhung für Fach- und Assistenzkräfte durch Erhöhung der Personalförderung
  • Einheitliche Grundgehälter für alle Beschäftigten, unabhängig von Bundesland oder Trägereinrichtung
  • Zusätzliche Anhebung der Entlohnung gemäß ggf. vorhandener zusätzlicher Ausbildungsqualifikationen
  • Anrechnung der gesamten Vordienstzeiten bei einem Dienstgeberwechsel

Dass systemrelevante, gesellschaftlich wertvolle und generell sehr verantwortungsvolle Arbeit oft nicht leistungsgerecht bezahlt wird, und der elementarpädagogische Bereich hier leider keine Ausnahme darstellt, davon brauchen wir wohl niemanden zu überzeugen. Wenn die Bundesregierung aber elementarpädagogische Einrichtungen zu Recht als „erste Bildungsinstitution“ (3) bezeichnet, warum verdienen die in diesem Bereich beschäftigten Pädagog/innen dann weniger als ihre Kolleg/innen an den Schulen? Die AK Wien und führende Gewerkschaften ließen dazu eine Studie durchführen: „Kindergartenfachkräfte in Italien, Frankreich, Polen, Baden-Württemberg und Dänemark [verdienen] annähernd gleich viel (…) wie LehrerInnen. In Österreich (…) sind sie jedoch deutlich schlechter entlohnt.“ (2)

Die Bezahlung ist nicht nur nicht leistungsgerecht, es gilt nicht einmal das Prinzip ‚gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘, da es im öffentlichen Bereich „unterschiedliche Landesregelungen [und] für private Träger zumeist nur einen Mindestlohntarif gibt. (…) Für Träger im privaten Bereich muss als erster Schritt ein einheitlich gültiger Kollektivvertrag für diesen Bereich endlich umgesetzt werden, u.a. einheitliches Gehaltsschema, die Regelung der Entgeltfortzahlung, Urlaubsansprüche, Vorbereitungs- u. Reflexionszeiten, Leitungsadministrationszeiten, Kündigungsfristen, verpflichtende Fort- und Weiterbildungszeiten etc.“ (2)

Forderung 4:
Eine bundesweit einheitliche, hochqualitative Ausbildung für die Assistenzkräfte

Um in elementarpädagogischen Einrichtungen als Assistenzkraft (je nach Bundesland „Betreuer/in“, „Helfer/in“, „Assistent/in“, etc. genannt) arbeiten zu dürfen, bedarf es je nach Bundesland 0 (in Worten: null) bis maximal 475 Stunden Ausbildung inklusive Praktikum.(5)

Abgesehen davon dass diese Diskrepanz für uns unerklärlich ist: Österreich erreicht „nur unter Einrechnung [dieses] unterstützenden Personals“ überhaupt „die internationalen Empfehlungen [bzgl. Betreuungsschlüssel]. Dabei steht das unterstützende Personal großteils nicht für die Betreuung zur Verfügung bzw. ist die Betreuung durch das unterstützende Personal eigentlich nicht vorgesehen.“ (2)


Abschließende Bemerkung

In Paragraf 1, Absatz 2 des Steiermärkischen Kinderbildungs- und betreuungsgesetzes wird als Ziel u.a. „die Sicherstellung hoher pädagogischer Bildungsqualität unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und des Bildungsrahmenplans für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich“ (7) angegeben. In den anderen Bundesländern gibt es ähnliche Passagen. Eine, wie von uns geforderte, Verbesserung der Rahmenbedingungen wäre im Grunde genommen also nur die längst überfällige Umsetzung bereits vorhandener Gesetze.

Wir, das Kernteam von #kinderbrauchenprofis, führen seit Oktober 2020 Hintergrundgespräche mit unterschiedlichsten Politiker/innen. Keine/r von ihnen war gegen Verbesserungen der Rahmenbedingungen im Elementarbereich. Und in drei Punkten haben wir von allen unabhängig voneinander wörtlich oder sinngemäß dasselbe zu hören bekommen:

  1. „Es haben sich alle gewundert, was ihr mit euch machen lasst.“
  2. „Die Kompetenzenverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden macht die Sache schwierig.“
  3. „Es fehlt an Geld.“

Tja.

  1. Wir lassen das eben nicht mehr mit uns machen!
  2. Der Bund muss endlich mehr Kompetenzen übernehmen und weitreichend einheitliche Regelungen vorgeben.
  3. Genug Geld gibt es immer – es war und ist nur eine Frage von Verteilung und Dringlichkeit (ganz abgesehen von den Lektionen die uns Corona gelehrt hat, und dem aktuellen Schlagwort ‚Negativzinsen‘ für Staatsanleihen). Doch nicht nur das: Es ist schlicht und einfach wissenschaftlich erwiesen dass sich Investitionen in elementare Bildung mehr als rentieren. ****

Es ist eine Win-Win Situation für alle. Die Frage ist also: Liebe Kolleg/innen aus der Elementarpädagogik, liebe Eltern, liebe Gewerkschaften, liebe Politiker/innen, worauf warten wir noch?

2021 wird das Jahr der Systemrelevanten.
2021 wird das Jahr der Elementarpädagogik.
Wir kämpfen dafür – kämpft mit!


Anmerkungen

Im Text wird beim pädagogischen Fachpersonal zwischen Elementarpädagog/in und Kinderbetreuer/in differenziert. Da es österreichweit keine allgemein gültige Bezeichnung beider Berufsgruppen gibt, ist im Folgenden unter Fachkraft ein/e Elementarpädagog/in bzw. unter Assistenzkraft ein/e Kinderbetreuer/in laut Steiermärkischen KBB-Gesetz zu verstehen.

* Bis auf das Modul für die 5-Jährigen (aufgrund des verpflichtenden Kinderbetreuungsjahres). Der dadurch entstehende Mehraufwand wird, wie erwähnt, jedoch nicht von mehr Zeit- und Personalressourcen begleitet.

** Siehe unsere Liste der Verschlechterungen der Rahmenbedingungen in der Steiermark

*** Je nach Bundesland unterstützt von einer ‚halben‘ oder ‚ganzen‘ (bzgl. zeitlichem Anstellungsverhältnis) Assistenzkraft – die jedoch weder über eine auch nur annähernd gleichwertige Ausbildung verfügt (siehe Forderung 4), noch die volle Zeit für die Kinder da sein kann, da je nach Situation bis zu 50% der Präsenzzeit für hauswirtschaftliche Tätigkeiten benötigt wird.

**** Der Besuch einer elementaren Bildungseinrichtung steht im Zusammenhang mit einer positiven kognitiven Entwicklung (8), einer positiven akademischen sowie sozialen Entwicklung (9) und besseren Chancen im Berufsleben. (10). Jeder Euro, der in elementare Bildungseinrichtungen investiert wird, erbringt den 9-fachen Nutzen für Kinder unter drei Jahren und den 8-fachen Nutzen im Kindergartenbereich für Kinder über drei Jahren. (11) Eine Kosten-Nutzen-Analyse der Elementarbildungsausgaben in Österreich von 2005 bis 2016 (12) kam zu folgenden Schlussfolgerungen: Innerhalb dieses Zeitraums gab es vor allem durch den Ausbau von elementarpädagogischen Einrichtungen einen Beschäftigungswachstum von 70% im Elementarbereich. Die Ausweitung des elementarpädagogischen Angebots hat einen direkten Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekt (Konsumsteuer, Unternehmenssteuern, Lohnsteuern, SV-Beiträge, Lohnnebenkosten). Somit haben sich die Mehrkosten für die Elementarbildung der öffentlichen Hand ab 2015 selbst finanziert. „Es ist davon auszugehen, dass die phasenversetzten Rückflüsse noch weiter so wirken werden, dass die ebenfalls steigenden Kosten zumindest weiter abgedeckt werden. Es ist sogar wahrscheinlich, dass ab 2017 zunehmende Überdeckung vorherrschen wird, also die kumulierte Gesamtsumme der Erträge jene der Kosten ab 2005 begleichen.“ (12)


Quellen

(Letzter Zugriff auf alle angeführten Links: 8.1.2021)

1 https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bildung/kindertagesheime_kinderbetreuung/021644.html

2 AK Wien, GdG-KMSfB, GPA-djp, vida (2013): Presseunterlage Mehr Qualität in der Kinderbetreuung – Internationaler Vergleich, Erfahrungen aus der Praxis und politische Forderungen.
Verfügbar unter https://kinderbrauchenprofis.at/wp-content/uploads/2021/01/AK_Wien___Presseunterlage___04122013.pdf

3 https://www.bmbwf.gv.at/Themen/ep.html

4 Offener Brief des Steuerteams der Plattform EduCare an die Mitglieder des Bildungsausschusses: Elementarpädagogische Vorschläge (13.2.2015)
Verfügbar unter http://elementarbildung.blogspot.com/2015/02/offener-brief-die-mitglieder-des.html

5 Hartel, A., Hollerer, L., Smidt, W., Walter-Laager, C., Stoll, M. (2018): „Elementarpädagogik in Österreich. Voraussetzungen und Wirkungen elementarer Bildung.“ In: Nationaler Bildungsbericht 2018. Band 2.
Verfügbar unter https://www.bifie.at/wp-content/uploads/2019/03/NBB_2018_Band2_Beitrag_5.pdf

6 Baierl, A., & Kaindl, M. (2011). Kinderbetreuung in Österreich: rechtliche Bestimmungen und die reale Betreuungssituation. (Working Paper / Österreichisches Institut für Familienforschung, 77). Wien: Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien.
Verfügbar unter https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-349966

7 https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrStmk&Gesetzesnummer=20001503

8 Petanovitsch, A., Schmid, K. (2012): Zum Nutzen frühkindlicher Betreuung und Förderung. Ökonomische, soziale und pädagogische Effekte frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung. Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft Kurzexpertise.
Verfügbar unter https://ibw.at/bibliothek/id/389/

9 Melhuish, E., Ereky-Stevens, K., Petrogiannis, A., Ariescu, E., Penderi, K., Rentzou, A. et al. (2015). A review of research on the effects of Early Childhood Education and Care (ECEC) upon child development (Arbeitsbericht des CARE project [Curriculum quality analysis and impact review of European Early Childhood Education and Care]).
Verfügbar unter http://ecec-care.org/resources/publications/

10 Fessler, P. & Schneebaum, A. (2016). The returns to preschool attendance (Working paper Nr. 233 des Department of Economics, Wirtschaftsuniversität Wien).
Verfügbar unter https://epub.wu.ac.at/5176/1/wp233.pdf

11 Schneider, F., Dreer, E. (2012): Verstärkte Investitionen in frühkindliche Bildung. Kosten und Nutzen für Oberösterreich. Johannes Kepler Universität Linz. Im Auftrag der AK Oberösterreich.
Verfügbar unter https://ooe.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/bildung/IV_BI_FruehkindlicheBildung.pdf

12 Neuwirth, N., Kaindl, M. (2018): Kosten-Nutzen-Analyse der Elementarbildungsausgaben in Österreich. Der gesamtwirtschaftliche Effekt des Ausbaus der Kinderbetreuungsplätze im Zeitraum 2005 bis 2016. ÖIF Forschungsbericht Nr. 26.
Verfügbar unter https://www.oif.ac.at/fileadmin/user_upload/p_oif/Forschungsberichte/fb_26_elementarbildungsausgaben_kosten_nutzen_analyse.pdf