Steirischer Bildungslandesrat bei der Landtagssitzung vom 28.4.2026

(2.5.2026) Einige Aussagen von Bildungslandesrat Stefan Hermann bei der Landtagssitzung vom 28. April 2026 [1] zwingen uns leider scharf mit ihm ins Gericht zu gehen. Wir sagen bewusst „leider“. Als er noch in Opposition war hat er völlig anders geklungen, hat begrüßenswerte Anfragen und Anträge im Landtag gestellt, und hatte mit uns konstruktive und äußerst freundliche Gespräche.


1. Weiß LR Hermann wirklich nicht was pädagogische Qualität ist?

Hermann: „Was ist das Beste für das Kind? (…) Ich kann da sagen, aus eigener Wahrnehmung, es war alleine in den letzten drei Monaten… Kindergarten Sinablkirchen, der Kindergarten Weiz, die Kindergartengruppe in Bruck, der Kindergarten in Groß-St. Florian, der Kindergarten Gabersdorf, der Kindergarten in Kalsdorf, auch die Kindergärten in Reininghaus, sind qualitativ hervorragend. Ich glaube, es gibt kaum einen Ort, wo ein Kind besser pädagogisch betreut und aufgehoben ist als in diesen Einrichtungen.“

(Siehe zu diesem Thema übrigens auch unser Video vom 25.11.2025 [2] ).

Wir nehmen an, dass die aufgezählten Kindergärten entsprechend der Vorgaben des Landes ausgestaltet sind, also:

  • 22 Kinder pro Gruppe
  • 1 Elementarpädagog:in pro Gruppe *

Wirkliche Qualität wäre laut wissenschaftlicher Erkenntnisse [3] jedoch: 

  • 15 bis maximal 18 Kinder pro Gruppe
  • 2 Elementarpädagog:innen pro Gruppe (grober Schlüssel: 1 Elementarpädagog:in für 7 bis maximal 10 Kinder)

Als zumindest befremdlich einzustufen ist auch folgende Aussage:

Hermann: „Schaut’s euch einmal den Kindergarten in Sinablkirchen an, das ist ein Palast. Da muss man sich eher die Frage stellen, ob das in der Form so notwendig ist! Aber die Gemeinde hat beurteilt, dass es so notwendig ist.“

Und einer gewissen Ironie entbehrt folgende Aussage nicht:

Hermann: „Denn wenn es etwas gibt was jetzt in der Steiermark auf kommunaler Ebene ausgebaut und vorangetrieben wird, dann sind das Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen. Und da wird nicht das gesetzliche Minimum gebaut! Da wird geschaut, dass man eine vernünftige, wunderschöne Lösung auch findet für die Kinder (…)“

„Vernünftige, wunderschöne“ Lösungen – ja, aber warum dann nicht gesetzlich verpflichtend für ALLE Kinder? Sind nicht alle Kinder gleich viel wert?


2. Hört LR Hermann nur auf gewisse Interessensvertreter?

Hermann: „Weil dieser Prozess [zur Erstellung der aktuellen Gesetzesnovelle, Anm.] war ein Prozess der über ein Jahr gedauert hat. Wir haben im letzten April begonnen, Gespräche mit zahlreichen Interessensvertretern zu führen. Da waren die Vertreter der Elementarpädagogik dabei, die Gewerkschaften dabei, Städtebund, Gemeindebund, Ziviltechnikerkammer, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, und und und und und. Und in unterschiedlichsten Themenblöcken sind Ideen gesammelt worden. Und das erste Ziel war, wir müssen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten (…) schauen dass wir mit den Baukosten, mit den Errichtungskosten da und dort runterkommen, und dass wir flexibler werden.“

Von den „Vertretern der Elementarpädagogik“ finden sich KEINERLEI Inputs im Gesetzesentwurf! Weder von Interessensvertreter:innen aus der Praxis, noch von wissenschaftlichen Expert:innen beim sogenannten „Bildungsgipfel“ [4] am 3. März 2026 – denn sonst wäre eine derartige Qualitätsverschlechterung bzw ein Fehlen von Verbesserungen ja nicht möglich gewesen!

Aber sind wir hier zu voreilig, kommt das vielleicht noch?

Hermann: „Alle Wünsche die kommen, alle Möglichkeiten einer Qualitätsverbesserung, kann ich nicht in eine Novelle zwängen, und schon gar nicht jetzt in die bestehende, wo es in erster Linie darum geht entsprechend den Bau auch zu beschleunigen und zu vereinfachen.“ 

Diese weitere Novelle(n?) müssten dann die Verschlechterungen der aktuellen wieder ZURÜCKNEHMEN und zusätzlich Verbesserungen ergänzen – wie realistisch ist das?


3. LR Hermann zieht Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf in Zweifel

Hermann: „(…) und spannenderweise gibt’s neben diesen 550 Stellungnahmen, echte werden sein… 70… ca, bis 80, oder sollen’s 100 sein, gibt’s eine Stellungnahme der Stadt Graz, die genau diesen Punkt der Überschreitungsgröße positiv sieht! Nicht nur aus dem Bildungsressort, sondern von der Stadt Graz.“

Claudia Klimt-Weithaler: „(…) nicht von der Stadtregierung, sondern vom Bildungsressort, das ist ein Unterschied.“

Hermann: „(…) Aber diese Einwendung wird die gleiche Qualität haben wie 550 andere auch, und wenn’s ein Stadtrat schreibt, dann glaube ich es ist mehr wert als eine anonyme Eingabe mit ChatGPT in der 20 Rechtschreibfehler sind, oder?“

Wir sind wirklich sprachlos. Offensichtlich ist LR Hermann inzwischen schon so in der Defensive, dass er mit solchen ‚Argumenten’ arbeiten muss. Der zweite Teil unserer Analyse der Stellungnahmen geht übrigens am 3. Mai online (ja wir lesen wirklich ALLE, und das dauert eben), und wir können jetzt schon vorausschicken: nein, es sind nicht nur 70 bis 100 „echt“.

P.S.: Für alle hier zitierten Aussagen gilt: sie sind sicher teils „der Hitze des Gefechts“ der Landtagssitzung geschuldet, aber es ist für uns unbestreitbar dass sie kein gutes Bild zeichnen.

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* (Dass die/der zusätzliche Betreuer:in hier nicht wirklich eingerechnet werden kann haben wir schon mehrfach dargelegt: sie/er hat keine gleichwertige Ausbildung, keine Vorbereitungszeit, sowie nur stark eingeschränkt Zeit für die Kinder aufgrund von hauswirtschaftlichen Arbeiten.)

[1] Statement LR Hermann ab 7:37:30 im Video (rechts unten auf „Gesamte Sitzung“ klicken): https://pallast2.stmk.gv.at/pallast-p/pub/meeting?dswid=446&ref=fcc8a4a6-8ef3-447d-b24c-ecc8a898c8ac#

[2] https://www.youtube.com/watch?v=bChmDd_pdU8

[3] Siehe Seite 27 im Dokument https://reforms-investments.ec.europa.eu/document/download/bbb506eb-33cc-4e28-9d6f-18c5aaf67dc4_de?filename=Austria%20ECEC%20Quality%20framework%20plan%20-%20DE.pdf

[4] Eine offizielle Dokumentation des Bildungsgipfels seitens der Landesregierung fehlt Stand heute immer noch, für Einblicke siehe aber u.a. die Podcast-Folge „Hinter den Kulissen des steirischen Bildungsgipfels“ https://www.elementarbildung.at/podcast/folge34/