(5.11.2025) Das gestrige Treffen mit Bildungslandesrat Stefan Hermann kann man nur als ernüchternd bezeichnen. Und es folgt damit leider einem Muster das wir schon von seinen Vorgänger:innen kennen. Als wir zusammen mit Elementar Steiermark und ifeb zu einem Austausch eingeladen wurden, dachten wir es ist endlich wieder einmal die Gelegenheit auf die vielen Baustellen im Kinderbildungs- und betreuungsbereich in der Steiermark hinzuweisen, auf die berechtigten Sorgen unserer Kolleginnen und Kollegen einzugehen, auf seit Jahrzehnten bekannte wissenschaftliche Standards in punkto Qualität zu verweisen, und das alles offen zu diskutieren (hier unser diesbezügliches aktuelles Statement (PDF).

Es kam anders.

Das Treffen diente nur einem Zweck: uns darüber zu informieren, dass die eigentlich gesetzlich festgelegte Reduktion der Gruppengröße in Kindergärten ausgesetzt bzw. „gestreckt“ wird – bis 2031. Und wir waren damit eindeutig am Ende der Informationskette, denn nur etwas über eine Stunde später gingen LR Hermann und LH-Stv Khom bereits an die Presse. Was wir als Stimmen aus der Praxis, untermauert mit wissenschaftlichen Studien, zu sagen hatten war egal – denn sonst hätte man uns schon Wochen oder Monate vorher in die Diskussion eingebunden. Dasselbe gilt übrigens, wie wir danach erfahren haben, auch für Gewerkschaften, offizielle Personalvertreter:innen & Co: es gab keine Einbindung in den Entscheidungsprozess.

Doch das ist nicht das Einzige.

Wir haben wieder eine Einladung erhalten – am 5.12.2025 findet die „Präsentation und Fachdiskussion“ der weiteren geplanten Maßnahmen von Hermann und Khom für die Kinderbildung und -betreuung statt. (Und es wird wieder keine Diskussion mit Einflussmöglichkeit, es wird wieder einfach nur die Präsentation fixer Beschlüsse sein).

Was dort vorgestellt wird kann man basierend auf einer Veröffentlichung vom 18.9.2025 erahnen: „Bedarfsplanung, Neu- und Bestandsbauten, Kooperationen, Organisation der Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen, Finanzierung und Förderung“ sind dort als Punkte zu lesen. Es geht also – wieder einmal – nur um die Quantität. Wie kann man das Angebot erweitern, auf dem ‚qualitativ’ jetztigen Stand. Keine Rede von den Themen die das Personal und die Kinder in den Einrichtungen wirklich betrifft: eklatanter Mangel an Springer:innen, zunehmende Burnouts und Langzeitkrankenstände, unzureichende Hilfe bei verhaltensauffälligen Kindern oder Kindern mit Sprachdefiziten, überbordende Administrations- und Dokumentationsarbeiten, unzureichende Leitungsfreistellung, überfällige Gruppengrößenreduktion in Kinderkrippen, und und und. 

Dafür findet sich die Phrase „Personaleinsatz in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen“ in der veröffentlichten Themenliste. Wird es hier darum gehen Einrichtungen, die besondere Herausforderungen haben, mehr Personal zur Verfügung zu stellen? Oder gar um eine dringend notwendige generelle Verbesserung des Personal-Kind-Schlüssels? Natürlich nicht. Es wird darum gehen, und auch das wurde bereits medial verbreitet, für „Randzeiten“ die Qualität zu reduzieren, dann können nämlich nur mehr Kinderbetreuer:innen anstatt Elementarpädagog:innen für die Kinder zuständig sein. Beim gestrigen Treffen meinte LR Hermann dass es „keinen Personalmangel“ gibt – diese Randzeitenlösung hat, sollte seine Aussage stimmen (was wir sehr bezweifeln), dann also nur einen Hintergrund: Geld. Es ist billiger ein:e Kinderbetreuer:in anzustellen als ein:e Elementarpädagog:in. Was das für die insgesamte Qualität der Einrichtungen bedeutet, ist offensichtlich zweitrangig.

Das Fazit ist wie eingangs beschrieben ernüchternd. Qualität und das tatsächliche Wohl unserer Kinder (und des Personals) ist und bleibt nachrangig. Die Politik, ob auf Landes- oder Bundesebene, reagiert und agiert nur (meist verspätet), wenn Platzmangel in den Einrichtungen droht. Sie klebt Pflaster auf ein marodes System und wirkt abgesehen davon völlig visionslos. Die Rechnung dafür bezahlen langfristig die Kinder, das Personal, und die gesamte Gesellschaft.